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Der Weg in den Urlaub – 16 Stunden im Flughafen Schiphol

Oldenburg (Oldb), Hauptbahnhof ZOB, Fernbusbahnhof, 9. September 2019, 19.15 Uhr.

Der Fernbus lässt auf sich warten.

Tränen, Umarmungen und noch mehr Tränen.

Das Motorgeräusch eines großen Busses erleichterte alle Anwesenden, auch wenn die Mütter uns lieber zu Hause behalten hätten. Es sind eine ganze Menge Leute gekommen, um uns zu verabschieden – Eltern, natürlich, und Geschwister, aber auch Freunde, die uns letzte Kleinigkeiten Reiseproviant und Briefe mit Glückwünschen und Hoffnungen für die Zukunft zustecken. Wir waren so beschäftigt mit Gruppenumarmungen und 'Auf Wiedersehen's, der Bus wäre beinahe ohne uns abgefahren. Ein wunderbarer Anfang zu was verspricht, eine wunderbare Reise zu werden, obwohl der Bus nicht all zu viel Beinfreiheit geboten hat.

 

Um 19:30 ging es dann los nach Amsterdam, wo am nächsten Tag um 15:20 Uhr das Flugzeug abfliegt. Moment mal. 15:20 Uhr? "Warum fahrt ihr schon einen Tag früher los, habt kein Hotel, sondern wartet nur rum?"

"Tja, weil wir dumm sind."

 


 

Das ist natürlich Simplifikation – Wir sind sehr intelligente und kompetente Menschen (naja, meistens zumindest), die sich nur gelegentlich etwas selbst überschätzen. Um Kosten zu sparen, fliegen wir vom Flughafen Schiphol in Amsterdam anstatt von den näher gelegenen Flughäfen Bremen oder Hamburg. Flixbusse nach Amsterdam fahren oft, aber nicht oft genug um viel Flexibilität zuzulassen.

Dann, als wir die Wahl hatten, einen etwas frühen Bus zu nehmen oder einen Bus zu nehmen, der uns bei irgendwelchen Pannen oder Verspätungen spät vorm Flughafen-Gate stehen lassen würde, haben wir uns natürlich und verständlicherweise für Ersteres entschieden. Dann haben wir gemerkt, dass wir mit diesem Bus um Mitternacht in einer fremden Metropole stranden würden.

 

"Sollten wir ein Hostel buchen?", haben wir uns dann gefragt, und das wäre im Nachhinein die schlauere Aktion gewesen. Aber wir sind jung, voller Enthusiasmus und leerer Geldtaschen. "...Der ganze Punkt von Amsterdam ist doch zu sparen," denken wir uns, brillante Finanzgenies, die wir sind, "Wenn das ganze Geld für ein Hostel draufgeht, was war dann der Sinn dahinter?"

Wir hatten grandiose Vorstellungen davon, die Stadt unsicher zu machen, einen kleinen nächtlichen Sightseeing-Trip einzulegen. Wir brauchen keinen Schlaf!

 

Nach vier Stunden Busfahrt sieht die Welt ein bisschen anders aus, natürlich, und wir schleppten uns noch in einen McDonalds zwanzig Meter vom Hauptbahnhof Amsterdams entfernt, nachdem wir einige Gespräche mit den verschiedensten Amsterdamer Nachtgestalten hatten, bevor wir entscheiden, aufzugeben und mit dem Zug zum Flughafen zu fahren und ein bisschen zu schlafen. Einmal angekommen jedoch, präsentierte sich ein neues Problem, mit dem wir noch nie so direkt konfrontiert worden waren: Anti-Obdachlosen Infrastruktur. 

 

Der Flughafen Schiphol will wirklich, wirklich nicht, dass man ihn als Schlafplatz missbraucht. Das heißt natürlich nicht, dass niemand dort übernachtet, es sorgt nur dafür, dass die gesamte Erfahrung absolut miserabel ist.

Die Lehnen zwischen den Bänken an Flughäfen, in Parks und in öffentlichen Einrichtungen aller Art dienen vielleicht auch der Bequemlichkeit, aber ihre primäre Funktion ist, Menschen davon abzuhalten, auf den Bänken zu schlafen. Es ist eigentlich schon grausam, Obdachlosen und Leuten, die keinen Schlafplatz haben, das mühselige Leben noch schwerer zu machen, indem man ihnen selbst einfache Bänke verwehrt. Und doch hinterfragt man sie nicht, sie fallen einem kaum auf, bis man selbst kalt und müde ist und einen Schlafplatz sucht, auf dem man nicht erfriert.

Selbst wenn man aufgibt und sich auf den Boden legt wie die arme Ratte, die man ist, hört die Tortur nicht auf. Das Licht wird Nachts alle paar Sekunden kaum merklich gedämmert und dann – Boom. Plötzlich ist es wieder hell. Man wird wach geschockt. Ich persönlich denke, die CIA hat diese Technik beliebt gemacht.

Unsere Lösung zu diesen Problemen: Wir haben uns auf einen elenden Haufen auf dem Boden zusammengekauert, um das bisschen Körperwärme was uns noch bleibt zu Teilen bevor der kalte Boden uns komplett deren beraubt, uns Schals über die Augen gelegt und haben ungefähr eine Stunde richtigen Schlaf bekommen, bevor uns die kälte des Bodens schlussendlich doch geschlagen hat. Nicht unser feinster Moment. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, auch nicht von klassisch-amerikanischen Verhörmethoden!

Trotzdem, das nächste Mal, wenn ihr einen Obdachlosen seht, überlegt, ob ihr den Euro in eurer Hosentasche wirklich selbst so dringend braucht.

Aber jetzt ist es Zeit für die nächste Etappe unseres Abenteuers!

 

Amsterdam Schiphol, Terminal 3. 10. September 2019, 11.40 Uhr

Wir geben also erstaunlich problemlos, abgesehen von den langen aber vorhersehbaren Wartezeiten, unsere Koffer ab, rasen durch den Security Check-In, wobei dieser in unserem Fall ausgerechnet die Baby-Feuchttücher für suspekt hält, und diese separat einmal nach Kontrebande scannen muss, und dann lassen uns gemütlich für eine entspannte Stunde an einem teuren McDonalds in der Boarding-Area nieder.

Kaum fertig gegessen, waren wir wieder auf den Beinen. Die Prioritäten: Steckdosen, Handy laden und zu unserem Gate, G9, finden.

 

Diese Ziele konnten wir dann auch schnell erfüllen. Sobald man in der Boarding-Area ist, genießt man an jeder Ecke den Luxus von kostenlosem Strom, den man im öffentlichen Flughafen-Raum noch verzweifelt suchte. Nachdem man um zwei Uhr Nachts neben der Putzwagen-Ladestation auf dem Boden Lager aufgeschlagen hat, weil sonst nirgendwo Steckdosen aufzufinden sind, kommt einem dieser Überfluss gar dekadent vor.

Was uns an den Sitzflächen bei dem Gates auch durchaus positiv aufgefallen ist: Bequeme Bänke. Wie sich herausstellt, beweist man einmal, dass man das Geld für einen gültigen Boarding-Pass besitzt, haben die Flughafen-Betreiber auf einmal keine Skrupel mehr, einem Zugang zu Mobiliar zu geben, auf dem man sich bequem hinlegen kann. Während die Einen sich dann entlang der langen gepolsterten Bänke, dieses Mal ohne metallene Armlehnen, hinlegten, um ein wenig wohlverdienten Schlaf nachzuholen, streiften die Anderen ziellos in der Gegend herum. Seien es die Toiletten oder einer der ebenfalls überteuerten Snackautomaten, wir fanden sie alle ohne Probleme, denn den Flughafen haben wir uns ja bereits zu ein neues Zuhause umgeformt, welches wir nur mit allzu viel Freude wieder verlassen wollten.

 

Noch bevor wir dann endlich borden konnten, hatten wir das Privileg, einem Polizeihund in Training dabei beobachten, wie dieser mit seinem menschlichem Team und Trainer eine nachgestellte Drogenkoffer-Jagt führte und erfolgreich alle versteckten Drogen in den Koffern aufspüren konnte. Man konnte sehen, wie sehr sich sowohl Hund als auch Trainer gefreut haben, dass er alle gefunden hat, denn dieses bedeutete eine spaßige Spielrunde stand an für den kleinen Hündchen. Mit so einer qualifizierten Schnüffelnase auf der Spur, sollten Schmuggler sich in acht nehmen!

Nach dem turbulenten Tag und anstrengendem Vortag waren wir dann auch an der Reihe das Flugzeug zu betreten, wobei wir schon die Befürchtung hatten, dass wir erst aufgerufen werden, wenn das Flugzeug bereits abgehoben hat.

 

Im Flugzeug angeschnallt und bereits bereit zum Abflug, sind wir jedoch erst eine halbe Stunde später als geplant mit dem Flugzeug in die Lüfte gestiegen. Mit viel Talent hat die Hälfte unseres Teams diese Wartezeit sowie die Notfall-Anweisungen und all das Drum und Dran vom Pre-Take Off verschlafen. Wir hatten das Glück einen Platz zu erwischen, welche uns im Gegensatz zum Flixbus sehr viel Beinfreiheit und ebenfalls die Freiheit des Verstellen der Rückenlehne gab. Da lässt es sich schon ein paar Stunden aushalten.

Nun endlich in der Luft, können wir es kaum erwarten mit der netten Flugzeug Crew und der großen Anzahl fremder Gesichter sechs plus Stunden die Lüfte zu beherrschen.

 

Dubai: Mach dich auf uns gefasst!


Ein paar Eindrücke von der Reise


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