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Tag 7: Der erste eigene Umzug mit unbekannten Zügen und Bahnhöfen

いち ばんせん - ドアを閉めます。Gleis 1: Die Türen schließen.

Die Ankunft am Bahnsteig sieht in Tokio sehr oft sehr gleich aus. Man kommt an, sieht einige Getränkeautomaten und viele Menschen, die sich in Schlangen aufstellen. Die erste Person steht dabei auf einer Markierung auf dem Bahnsteig, die signalisiert, dass genau da eine Tür sein wird. Gespannt stell ich mich mit meinem Koffer, meinem Rucksack und einem Beutel in die Reihe dazu. Komische Blicke, was der vollgepackte, fast 2m große Deutsche bitte in Tokio will, bin ich schon gewohnt. Es ist der Bahnhof Shinjuku, also ist es voll. Hier steigen viele Menschen ein, um und aus. Ich als jemand, der diese Ordnung der Japaner noch nicht so lange kenne, fühle mich doch etwas verloren. Die Anzeigetafeln wechseln ständig zwischen japanisch und englisch, was mich zum Glück erkennen lässt, wo ich hin muss. Außerdem: Google Maps ist mein ständiger Begleiter und zeigt mir zu 90% auch richtige Züge und Bahnsteige an. Da es sehr voll ist, versteht man die Durchsagen nicht. Zwar sind sie auf japanisch und von Menschen sehr schnell gesprochen, trotzdem kann man raushören, ob der Zug auf meinem Gleis einfährt. Tatsächlich: Mein Zug kommt. Es ist ungewohnt, dass es auch hier Linksverkehr gibt, aber langsam ist es für mich schon normal. Einsteigen - Stehplatz finden - Keinen Plan haben - Nächste Station muss ich raus.

 

Nächste Station: Takadanobaba. Ja, der Bahnhof hat einen langen und für mich am Anfang unaussprechlichen Namen. Auf der Karte ein kleiner Bahnhof mit einer Privatbahn, die hier fährt. Meine Bahn. Ich steig also aus und machte mich auf die Suche nach meinem Gleis. Da es sich um verschiedene Unternehmen handelt, darf man gerne mal Gebäude wechseln, obwohl es sich um die selbe Station handelt. Kurze Zeit später erblickte ich ein Schild mit meiner Linie drauf und einem Pfeil, der zu einer Rolltreppe zeigt. "Ok. Gleich bist du in deinem neuen Zuhause.", dachte ich mir. Naja. Am Bahnsteig angekommen sah ich die größte Menschenansammlung meines Lebens. Es waren keine Schlangen mehr zu erkennen, nur noch Japaner nebeneinander. Irgendwann erkannte ich, dass es auf dem Boden an jeder Tür 4(!) Markierungen gibt. Eine für lokale Züge, eine für Semi-Express-Züge, eine für Express-Züge und eine für irgendwelche besonderen Schnellzüge. Ich, dumm wie Stroh, folge meinem Instinkt und stell mich zu den Leuten an den Markierungen der lokalen Bahn.

Meine lokale Bahn bei Nacht. Es gibt 5 verschiedene Arten von Express-Linien und trotzdem verläuft die ganze Strecke 2-gleisig.

Irgendwas ist anders. Auf einmal geht ein Alarm los, Sirenen blinken, eine japanische Durchsage redet für 2 Minuten und ich bin etwas sehr verwirrt. Im Endeffekt war es nur eine Durchsage für den Expresszug, wo er hält und wie man umsteigen muss, um zu den lokalen Bahnhören kommen muss. Ich hätte Google nicht trauen sollen, denn es wäre viel schneller gewesen, mit dem Expresszug zu fahren und einem späteren Bahnhof auszusteigen und eine lokale Bahn zum nächsten Bahnhof, meinem Bahnhof, zu nehmen. Ich stand da nun, die Schlangen für den Expresszug leerten sich, der Zug fährt ab. Keine 30 Sekunden später das selbe Theater nochmal. Alarm - Sirene - Ansage - Zug - "Bitte bleiben sie hinter der gelben Markierung. Der Zug fährt sofort ein." Diesmal war es mein Zug. Der Zug war ungewohnt voll und ich fühlte mich schlecht, so viel Platz mit Rucksack und Koffer zu verbrauchen. 50(!) Minuten später dann die Erlösung: Ich höre ein kraksiges "Musashi-Seki". Mein Bahnhof. Endlich. Da es keine Anzeigen oder englische Ansagen hab, vertraute ich meinem Gefühl und zählte jede Station mit. Langsam war der Zug recht leer und ich konnte mich drehen, ohne Leuten meinen Rucksack ins Gesicht zu schlagen. Nachdem der Zug in meinem Bahnhof einfuhr und ich ausstieg konnte ich sagen: Ich habe es geschafft. Rush Hour in Tokio.

 

...doch diese Reise war angenehmer, als das, was in den nächsten Tagen kam.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jörg Wolff (Freitag, 25 Oktober 2019 13:55)

    Netter Bericht! Ich zähle die Stationen auch immer mit, selbst in Hamburg...
    Was ist in der Folge passiert? Wir sind neugierig!
    Gruß
    Jörg